Widersprüche

Widersprüche sind die Triebkraft jeder Entwicklung.
Innere Widersprüche im Bewusstsein eines Menschen wachsen in dem Maße, wie die vom Einzelnen täglich erlebte Wirklichkeit mit offiziösen bzw. staatlicherseits erwünschten oder medial vermittelten Dogmen kollidiert. Daher erwächst bei den meisten Menschen erst dann ein staatskritisches mündiges Bewusstsein, wenn sie die Schule verlassen bzw. die Ausbildung oder das Studium abgeschlossen haben und letztlich in den normalen Alltag und ins Arbeitsleben eintreten. Erst wenn man seine Rechnungen selbst bezahlt, wird man ein wahrhaft mündiger Bürger. Bis dahin plappert man notgedrungen leider allzu oft nur das nach, was Lehrer, Eltern oder Mediensternchen vorbeten.

In der DDR kam man im Verlauf privater Gespräche mit Freunden oder Bekannten irgendwann zwangsläufig auf Themen oder Angelegenheiten zu sprechen, die ihre Ursache direkt oder indirekt in der sozialistischen Plan- bzw. Mangelwirtschaft hatten: Man bekomme keine Wohnung, der Wohnungsantrag sei aussichtslos, dieses oder jenes gebe es nicht zu kaufen, es sei auch ohne Beziehungen nirgendwo zu bekommen, im Betrieb sei der Materialnachschub wieder einmal gestört, auf Arbeit oder im Dienst sei dieser oder jener Kollege oder Vorgesetzte ständig betrunken usw. usf. Meist nicht direkt als politische Kritik am Sozialismus gemeint (da jeder doch irgendwie für den Sozialismus war, natürlich einen mit „menschlichem Antlitz“), hat es sich natürlich trotzdem auf das politische Bewusstsein ausgewirkt.

Mittlerweile gibt es auch ein Thema, das mit all seinen nachteiligen Auswirkungen immer präsent ist, auch wenn es mittlerweile aus Furcht vor Repression oder Rechtsverdacht von vielen nicht offen angesprochen wird. Bei jedem Treffen mit Freunden, jeder familiären Zusammenkunft oder (hinter vorgehaltener Hand) bei gelegentlichen Gesprächen im Fitnessstudio oder in der Bahn: immer wird es, das eine Thema, mehr oder weniger sanft angedeutet.
These/Behauptung: Im Verlauf jedes vertrauten Gesprächs oder jeder freien Diskussion berührt die Rede eines Teilnehmers das Kernthema, an dem die betreffende untergehende Gesellschaft unheilbar krankt.

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