Zur Konsequenzfrage

Inklusion gelinge, wenn sie nur konsequent umgesetzt werde, schreibt eine Kommentatorin heute im „Spiegel“.
Konsequent heißt demnach also: Augen zu und durch, ohne Rücksicht auf die Betroffenen (Behinderte, Nichtbehinderte, Lehrer, Eltern), ungeachtet aller Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis, ohne Rücksicht auf personelle Gegebenheiten oder finanzielle Restriktionen.
Mit Konsequenz lassen sich zweifellos viele Hürden der Realität überwinden. Zumindest zeitweise. Und doch ist Konsequenz allzu oft nur die letzte Zuflucht, die letzte Tugend des Uneinsichtigen und deshalb Scheiternden. Auch der Sozialismus hätte wahrscheinlich bei konsequenter Umsetzung gelingen können. Man hätte den lichten Weg zum Kommunismus nur entschlossen und unbeirrbar, ergo konsequent weiterbeschreiten müssen. Hierzu hätte es allerdings einer noch konsequenteren Umsetzung bedurft, nämlich einer wirksamen Umerziehung der Bevölkerung, die noch konsequenter, radikaler und totaler hätte sein müssen, als von Mao und Stalin durchgesetzt.
Die von Seiten irrer Ideologen geäußerte Androhung einer „konsequenten Umsetzung“ unausgegorener und/oder wirrer Ideen (vgl. auch Energiewende, Euro-Rettung oder Gender-Ideologie) sollte daher in postdemokratischen Zeiten besser als Kriegserklärung an die Zivilgesellschaft aufgefasst werden.

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