Zur Schottlandfrage

Manchmal geraten Anmerkungen einfach zu lang. Jedenfalls geniert man sich schon fast, die in den Kommentarbereich der Blog-Postings reinzuschreiben, die einen interessieren. Schön, wenn einem dann einfällt, dass man mit dem Geschwafel auch mal wieder eine leere Seite im eigenen Blog füllen könnte. Es sind ja hier noch so viele Seiten unbeschrieben… Ob ich dieses Blog wohl jemals vollschreiben werde? ;-)
Meine Anmerkungen knüpfen also an folgenden Beitrag von Dark Lord an: Schottland – Gedanken vor und danach):
Ich denke, dass das Thema Schottland auf kleiner Flamme weiterköcheln wird. Spätestens wenn sich die in letzter Minute von Cameron abgegebenen Versprechen einer größeren Autonomie für Schottland als Bluff herausstellen sollten, wird sich – ob mit oder ohne Referendum – die Schottlandfrage möglicherweise wieder stellen. Der Sieg der Befürworter hat mich auch nicht wirklich überrascht; eher schon fand ich es bemerkenswert, wie knapp er ausfiel.


Dass sich eine knappe Mehrheit der Teilnehmer aus welchen Gründen auch immer für die Beibehaltung der britannischen Einheit entschieden hat, bedeutet im Übrigen nicht, dass die zahlreichen Befürworter der Unabhängigkeit plötzlich die Seiten wechseln.
Es liegt in der Natur des Menschen, dass er vor starken Veränderungen zurückschreckt; er wird Umwälzungen oder grundlegend Neues daher in der Regel instinktiv ablehnen und an Altbewährtem festhalten. Dies gilt umso mehr, wenn man die Angst vor den Folgen des Wandels künstlich schürt.
Egal, wie groß der Unmut und das Streben nach Veränderungen ist, in der Regel versucht man immer, das zu bewahren, was man hat; in der Zukunft könnte es schließlich noch schlimmer kommen. Evolutionär gesehen sind Menschen ihrem Wesen nach Bewahrer, d. h. konservativ.

Man kann zwar von einem eigenen Schottland träumen, aber was man hat, das hat man, so sagten sich die Schotten – das britische Pfund, sichere Pensionen, vielleicht auch einen Job und den britischen Pass. Vorwiegend war es dann auch die ältere Generation, die sich überwiegend für einen Verbleib im Vereinigten Königreich aussprach. Die Mehrheit wird, vor die Wahl gestellt, immer für die Beibehaltung des Status quo stimmen, sofern der Leidensdruck nicht unerträglich ist…

Auch die Macher der Europäischen Einheitswährung wussten dies, wie Kohl, der in einem seiner letzten Interviews zugab, bei der Einführung des Euro diktatorisch vorgegangen zu sein, obgleich ihm bewusst war, damit gegen den mehrheitlichen Willen der Deutschen zu handeln. Bekanntlich besteht bei uns teutonischen Horden ja immer die Gefahr, dass wir uns in Referenden falsch entscheiden könnten, daher sind solche gleich gar nicht vorgesehen.

Aber ebenso glaube ich, dass der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit und Selbstbestimmung nach und nach auf weitere Regionen Europas übergreifen wird. Die Europäische Union ist kein stabiles Konstrukt, sondern ein reines Elitenprojekt ohne Gründungsmythos, eine undemokratisch organisierte bürokratische Monstrosität ohne Fundament, die so wie alle künstlich oder temporär zwangsweise zusammengehaltenen Imperien früher oder später mangels Krisentauglichkeit zerfallen wird. Zukunft bietet ein Europa der Regionen bzw. der Vaterländer, wenn man so will. Ein Europa der kulturellen und nationalen Vielfalt, vergleichbar mit dem Stadium der früheren EG, in der zwischen den Staaten, Regionen und Völkern eng kooperiert wird, aber zur Abfederung der bestehenden wirtschaftlichen, fiskalischen, politischen und kulturellen Unterschiede bzw. Spannungen wieder Dehnungsfugen eingezogen werden.

5 thoughts on “Zur Schottlandfrage”

  1. Teutonischen Horden ist gut :D … Aber davon mal abgesehen, ist gibt keine falschen Entscheidungen, nur Konsequenzen. Und die wären für Kohl dramatisch geworden …

    Aber was haben die Schotten schon von England? Das britische Königshaus hat damals deren Schulden übernommen, anno 17hundert Irgendwas. Und das dürfte der springende Punkt bei der Magenverstimmung der Briten sein, sollte sich Schottland wirklich abspalten. Sowas vergißt man nie und hält es gern ewig vor. Vielleicht auch unter einem anderen Deckmantel.

    1. Ja, „falsch“ hatte ich erst in Anführungszeichen gesetzt, aber ich hasse Gänsefüßchen, weil die immer etwas oberlehrerhaft wirken… ;-)
      Interessanterweise sind die Gründe, die jetzt jemanden motivieren, sich bei einer Abstimmung für eine bestimmte Option zu entscheiden, oft ganz profaner Natur…
      Merkt man, wenn man mal Leute/Bekannte nach Wahlen fragt, warum sie denn für diese oder jene Kandidaten/Parteien gestimmt haben. Da werden ja oft recht irrationale Gründe genannt bzw. angedeutet, z.B. persönliche Vorlieben, Sympathie für bzw. Antipathie gegen Kandidaten, alte Gewohnheiten (man hat ja immer schon so gewählt), gefühlter Konformitätsdruck oder auch die Angst, irgendwelche finanziellen Vorteile, Privilegien, Besitzstände oder Subventionen zu verlieren. Ich denke gar nicht, dass die meisten Leute weit entfernte geschichtliche Ereignisse noch wirklich reflektieren und in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Geschichte bzw. die Art, wie sie jeweils ausgelegt wird, liefert heutzutage nur noch Vorwände…

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